• Vorspiel transmediale 2016

    Im Rahmen des Vorspiel-Programmes der transmediale 2016 zeigt designtransfer zwei Projekte aus der Fakultät Gestaltung der Universität der Künste Berlin.

    Ausstellungseröffnung: Dienstag, 2. Februar 2016, 19:00
    Öffnungszeiten Ausstellung: 3. Februar – 7. Februar 2016, 10:00-18:00

    Das Projekt Ein Jahrhundert — fünf Regime, Mediale Denkmale im Berliner Stadtraum“ der „Digitalen Klasse“ setzt besondere Orte des radikalen Umbruches multimedial in Szene. Wie keine Zweite ist Berlin eine Stadt im Wandel. Gesellschaftliche Strukturen und kulturelle Landschaften befinden sich hier in stetiger Transformation. Auch politisch bleibt Berlin die ewig Wandelbare: Als einzige Stadt hat sie im 20. Jahrhundert fünf Regime erlebt. Kaiserreich, Weimarer Republik, Naziregime, die deutsche Teilung, das wiedervereinte Deutschland: Jeder politische Zeitabschnitt hat Spuren hinterlassen und zugleich Relikte des vorigen Regimes verwischt. Die Arbeiten von zehn Studierenden verdeutlichen: „Berlin ist eine Stadt des permanenten Wandels und Prozesses, des Verschwindens, Vergessens, der Schichtung und des Überbauens.“

    „Tautoscope“ von Paul Kolling zum Beispiel setzt die kollektive Erinnerung in Beziehung mit dem architektonischen Wandel. Bei dem Abriss des Berliner Stadtschlosses 1950 wurde das Portal IV als einziges Gebäudeelement in Teilen abgetragen und an der Fassade des nur 200 Meter entfernten Staatratsgebäudes wieder aufgebaut. Karl Liebknecht hatte von einem Balkon an diesem Portal 1918 die freie sozialistische Republik verkündet. Mit dem Wiederaufbau des Schlosses entsteht nun auch eine Kopie des Portal IV. Als Verwirrspiel der Wahrnehmung und Geschichte transportiert das Fernrohr „Tautoscope“ das alte Portal von seinem neuen Ort mittels zwei Linsenöffnungen visuell zurück an die historische Stelle. Love Parade sound walk“ von Jérôme Gautier wiederum folgt den Spuren eines Teils der deutschen Geschichte, der gar keine sichtbaren Spuren hinterlassen hat. Gegeben durch die Schrecken des Nationalsozialismus, waren ausufernde Paraden in Deutschland viele Jahre Tabu. Als internationales Großevent setzte die „Loveparade“ in den 1990er Jahren diesem gesamtdeutschen Trauma erstmals ein konträres Signal entgegen. Der Soundwalk lässt die unsichtbaren Stationen der Loveparade individuell neu erleben

    Weitere in der Ausstellung dokumentierte Arbeiten widmen sich dem schwierigen Verhältnis zwischen Japan und Korea bei der Olympiade 1936 in Berlin, der Wiederbelebung regimekritischer Bücher, die zu NS-Zeiten auf dem Bebelplatz verbrannt wurden, der Diskriminierung von Juden durch die Nationalsozialisten, dem Luna-Park, der mit Beginn des Zweiten Weltkriegs als Lager für ausländische Zwangsarbeiter genutzt wurde, dem Arbeiteraufstand in der DDR vom 17. Juni 1953, dem Gedenken der Maueropfer und einer multimedialen Gedenktafel, die an „Zuse Z3“ erinnert, den weltersten Computer, der 1941 in der Kreuzberger Methfesselstraße in Betrieb genommen wurde.

    Projekte von Paul Kolling, Jérôme Gautier, Stephan Sunder-Plassmann, Christian Schmidts, Kevin Röhl, Erik Freydank, Simon Weckert, Takuya Koyama, Seaum Shin und Gyujin Lee. Unter der Leitung von unter der von Prof. Joachim Sauter und Prof. Jussi Ängeslevä.

    Zusätzlich werden in der Ausstellung Ergebnisse des einwöchigen UdK-Kollisionen-Workshops „Tools for Activism“ gezeigt. Als aktive Gestalter von „Protest Tools“ experimentieren die Teilnehmer mit Material und Form um neuartige, humorvolle, optimistische Tools für den Aktivismus zu entwickeln. Die Do-It-Yourself Tools werden anschließend mit Anleitungen und Strategien geteilt. Im Zentrum des Workshops stehen einige Fragen: Welche Rolle spielen Protest Tools für die Verbreitung von Ideen? Wie lassen sich neuartige, kreative und humorvolle Tools entwickeln? Sind wir nur gegen etwas, oder besser auch für etwas? Protestieren wir für eine Sache oder für Likes und Tweets? In welchem Zusammenhang stehen digitaler und analoger Protest?

    Der Workshop wird betreut von Verena Michels und Vlasta Kubušová („Crafting Plastics!“), Leonidas Martin (Künstlerkollektiv „Enmedio“), Professor Axel Kufus (UdK Berlin) und Ilka Schaumberg (designtransfer).

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    Zuse Z3 Memorial © Christian Schmidts

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    Tautoscope © Paul Kolling (Bild: Andreas Schlüter)

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    Love Parade Sound Walk © Jèrome Gautier

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    UdK-Kollisionen-Workshops “Tools for Activism” © designtransfer